Tiergesundheitsdienst - Aktuelle Fachbeiträge

„2018 - 18. Rinderfachtagung der Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt“

„Mastitis – ‚altes‘ Thema mit neuen Erkenntnissen“

Nach zwei Jahren Pause lud der Rindergesundheitsdienst am 15. März 2018 zur 18. Rinderfachtagung der Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt. Die Veranstaltung dient, wie in der Vergangenheit, der Fortbildung von Landwirten und ihren betreuenden Hoftierärzten. Geladen waren aber auch Referenten des Landwirtschaftsministeriums sowie Amtstierärzte, Futtermittelberater, Betriebsberater und Vertreter anderer Berufszweige, deren tägliche Arbeit mit rinderhaltenden Betrieben in Berührung kommt.

Im Rahmen dieser Veranstaltung stand (wiederholt) die Eutergesundheit im Mittelpunkt. Frau Dr. Alexandra Koch hielt den Einführungsvortrag und erläuterte zeitgemäße Möglichkeiten zur Überwachung der Eutergesundheit mit Hilfe von Kennzahlen aus dem Eutergesundheitsmonitoring, welche bei jeder Milchleistungsprüfung erhoben werden und dem Betrieb zur Verfügung stehen. Diese Kennzahlen sollten von der Betriebsleitung zeitnah einmal im Monat nach dem Erhalt der MLP-Daten auch genutzt werden. Sie dienen neben der frühzeitigen Erkennung von Veränderungen in der Trockenperiode und in der Laktation auch der Eingrenzung von Problembereichen im Betrieb sowie der Erfolgskontrolle nach Umsetzung von Maßnahmen. Für Tiergruppen, die hinter diesen Kennzahlen stehen, können gezielt Entscheidungen getroffen werden. So können z. B. für „chronisch euterkranke Tiere“ aussichtslose antibiotische Behandlungen untersagt und eine mittelfristige Merzung angewiesen werden.

Im Vortrag von Dr. Siepelmeyer wurden sehr anschaulich Hintergründe und Ziele der neuen Tierärztlichen Hausapothekenverordnung erörtert. Allerdings wurde auch in der Diskussion danach erkennbar, dass noch viele Fragen zur neuen TÄHAV offen sind und einzelne Passagen den Tierarzt und seine nutztierhaltenden Betriebe etwas ratlos zurück lässt.

Die Vorträge von Frau Dr. Manson-de Vries und Professor Krömker befassten sich sehr ausführlich mit der Sinnhaftigkeit von antibiotischen Behandlungen bei subklinischen und klinischen Mastitiden. Allein die Einhaltung von wenigen Grundsätzen (z. B. keine lokale antibiotische Behandlung chronisch kranker Tiere), könnte die Anzahl an eingesetzten Antibiotika bei der Mastitistherapie um ein Drittel bis um die Hälfte der aktuellen Menge reduzieren. Zudem zeigten beide Referenten auf, dass die lokale Anwendung von sogenannten Reserveantibiotika bei Euterentzündungen ebenfalls unnötig ist. Allein bei schweren Mastitiden sollten z. B. Fluorquinolone dann aber systemisch, also mittels Injektion, noch zum Einsatz kommen. Schnelltests, die kurzfristig eine Auskunft geben, ob der Mastitiserreger gramnegativ oder grampositiv ist, helfen bei der Entscheidung zur Behandlung effizient weiter. Ein Test dieser Art heißt MastDecide und wird von der Firma Quidee vertrieben. Die Ergebnisse über den Mastitis verursachenden Erreger liegen dem Betrieb nach zwölf Stunden vor. Der versuchsweise Einsatz dieses Tests in einem Betrieb in Niedersachsen mit 585 Kühen über ein Jahr zeigte sehr eindrucksvoll, dass neben der massiven Reduktion der eingesetzten Menge an Antibiotika auch die Empfindlichkeiten von Mastitiserregern, wie z. B. E.coli, Staphylokokken und Streptokokken, gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen im Betrieb wieder zunehmen.

Herr Ulrich Westrup, geschäftsführender Gesellschafter in einem Milchviehbetrieb, zeigte im letzten Vortrag der Veranstaltung, dass die Anwendung des Schnelltests und die zielgerichtete Entscheidung über eine Mastitisbehandlung effektiv im täglichen Arbeitsablauf im Betrieb eingebaut werden können. Die Umsetzung ist allerdings nicht einfach und setzt unter anderem die Schulung der Betriebsführung, des Herdenmanagers bis hin zum Melker voraus, damit alle Beteiligten die Zusammenhänge der neuen Entscheidungswege verstehen. Neben einer peniblen Dokumentation und stetigen Kontrolle der getroffenen Entscheidungen ist vor allem eine sehr gute Milchprobenqualität von großer Bedeutung für den Erfolg.

Wir danken den Referenten für Ihre informativen Vorträge und der Firma Boehringer-Ingelheim Vetmedica GmbH für das Sponsoring der Veranstaltung.

Ihr Rindergesundheitsdienst der Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt.

Die Vortragsveranstaltung war mit 138 Zuhörern sehr gut besucht. Frau Dr. Alexandra Koch vom Rinder-gesundheitsdienst Sachsen-Anhalt hielt den Einführungsvortrag zum Thema. Moderator der Veranstaltung war in diesem Jahr Dr. Bernd Taffe, Rindergesundheitsdienst Sachsen-Anhalt.

Trotz Elternzeit konnten wir Frau Dr. Ellen Mansion-de Vries (Tierarztpraxis Speck) für einen Vortrag gewinnen. Professor Krömker von der Fachhochschule war als Experte zum Thema geladen. Dr. Siepelmeyer von der Firma Boehringer-Ingelheim Vetmedica GmbH vertrat den Sponsor der Veranstaltung.

Als einzigen Landwirt unter den Referenten begrüßten wir Herrn Ulrich Westrup von der Westrup & Koch GbR.





Vorträge:
Dr. Alexandra Koch, Tiergesundheitsdienst, Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt, Magdeburg
„Nutzung von Kennzahlen zur Eutergesundheit: Überwachungsmöglichkeiten für den Betrieb“
Dr. Frajo Siepelmeyer, Fa. Boehringer-Ingelheim Vetmedica GmbH
„ENTWICKLUNG DES ANTIBIOTIKAVERBRAUCHES IN DER NUTZTIERHALTUNG - Von wo kommen wir? Wo soll es hingehen?“
Dr. Ellen Mansion-de Vries, Tierarztpraxis Speck
„Behandlungsschema bei klinischer Mastitis nach neuesten Erkenntnissen“
Prof. Volker Krömker, Hochschule Hannover – Mikrobiologie
„Moderne Mastitistherapie“
Ulrich Westrup, Westrup-Koch Milch GbR
„Die Anwendung von mastDecide - Erfahrungsbericht aus dem eigenen Betrieb“


Gemeinsame Vortragsveranstaltung der Tierseuchenkasse und des Landesbauernverbandes Sachsen-Anhalt für Tierhalter und Tierärzte am 28.04.2011 im Hotel NH Magdeburg in Ebendorf zum Thema:

„Ethik und Ökonomie in der Nutztierhaltung - Brauchen wir einen Richtungswechsel?“

Sehr geehrte Herren Referenten, sehr geehrte Gäste, liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich freue mich, dass Sie unserer Einladung zur heutigen Tagung so zahlreich gefolgt sind und hoffe, dass Sie eine gute Anreise hatten.

„Ethik und Ökonomie in der Nutztierhaltung - Brauchen wir einen Richtungswechsel?“,

so das Thema unserer heutigen Tagung, welches von den Themen, die Sie ansonsten von uns erwarten, doch ein wenig abweicht. So soll heute nicht über Stoffwechsel, Kälberkrankheiten, PRRS, PRa, Weidemanagement und Parasitenbefall oder Krankheiten bei Gehegewild diskutiert werden. Heute wollen wir uns einem Thema zuwenden, welches stark in das öffentliche und mediale Interesse gerückt ist.

Tiere essen

Jonathan Safran Foer, Autor und Philosoph aus den USA, hat ein Buch mit diesem geschrieben und veröffentlicht. Im Buch selbst werden Für und Wider des Haltens und des Tötens landwirtschaftlicher Nutztiere erörtert. Sollen wir oder sollen wir nicht. Dürfen wir oder dürfen wir nicht? Wenn ja, wie? Diese Fragen treiben auch unsere Gesellschaft und die Medien um.

Tierschutz im Grundgesetz, Besserstellungsregelung im BGB, zahlreiche EU-Vorschriften zur Haltung, zum Transport und zum Schlachten von Tieren. Kastration, Schwänze kupieren, Enthornen. Schlagzeilen und Schlaglichter mit weitreichenden Folgen. Für Landwirte und Verbraucher gleichermaßen.

Animal health und animal welfare – unseren Nutztieren soll es gut gehen. Wie gut? Was ist gut? Das Miteinander zwischen Mensch und Nutztier soll besser gestaltet werden. Was ist besser? Gibt es überhaupt ein Miteinander oder nutzen wir unser Vieh einfach nur wie jedes andere Produktionsmittel auch?

Unsere Vorfahren haben von, aber auch mit Tieren gelebt. Unsere Gesellschaft heute ist davon im Zuge der Industrialisierung und Globalisierung entkoppelt. Aus der ehemaligen Symbiose zwischen Mensch und Tier sind Hersteller auf der einen und Verbraucher auf der anderen Seite geworden.

Prof. Blaha hat zu Jonathan Safran Foer im Deutschen Tierärzteblatt, einer monatlich erscheinenden Zeitschrift für Tierärzte, Gedanken zum Buch und über eine neue Ethik für Wohlstandsgesellschaften veröffentlicht. Wir freuen uns, dass wir Prof. Blaha als Referenten gewinnen konnten und heute hier begrüßen dürfen. Wir sind sicher, dass er uns auf unserem gedanklichen Weg weiter voranbringt. Herr Prof. Blaha ist Leiter der Außenstelle für Epidemiologie der TiHo Hannover in Bakum.


Referent Professor Blaha (TiHo Hannover)

In der bereits erwähnten Zeitschrift hat Prof. Kunzmann auf den Artikel entgegnet. Hierauf kam die Diskussion unter den Tierärztinnen und Tierärzten der Republik zum kochen. Herr Kunzmann ist Professor für Ethik an der Universität Jena, Theologe und Philosoph mit zahlreichen Lehraufträgen an verschiedenen Universitäten. Herr Prof. Kunzmann arbeitet auf dem Gebiet der Würde in der Gentechnologie. Er wird uns Antworten auf Fragen geben, die wir bisher als Fragen nicht erkannt haben, geschweige denn, dass wir wissen, dass es auf diese auch Antworten gibt.


Referent Professor Kunzmann (Universität Jena)

Landwirtschaft muss sich rechnen. Der Landwirt hält Tiere um Geld zu verdienen. Lohnt sich Tierhaltung weiterhin, wenn ein Liter Wasser teurer ist als ein Liter Milch? Darf das sein? Wo sind die ökonomischen Grenzen? Herr Prof. Schumann ist Honorarprofessor für Agrarökonomie an der FH Bernburg und zugleich Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes Sachsen-Anhalt.


Referent Professor Schuhmann (FH Bernburg und Landesbauernverband Sachsen-Anhalt )

Der Landesbauernverband und die Tierseuchenkasse sind heute gemeinsam Veranstalter. In diesem Sinne wollen wir nun auch gemeinsam mit unseren Referenten und in einer regen Diskussion Antworten auf die Fragen suchen und wenn möglich auch finden, Antworten auf Fragen, die uns und die Gesellschaft bewegen.

Dr. Falk Salchert
Geschäftsführer
Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt



Vorträge:
Prof. Thomas Blaha – Tierärztliche Hochschule Hannover
Der Spagat zwischen dem Recht des Menschen auf Ernährung für alle und dem Recht des Tieres auf Tierwohl
Prof. Fritz Schumann – Fachhochschule Bernburg, LBV Sachsen-Anhalt
Tierproduktion im Spannungsfeld gesellschaftlicher Anforderungen und Ökonomie
Prof. Peter Kunzmann – Universität Jena
Tiere in Massen. Unsere Verantwortung für die Tierhaltung der Zukunft