Fachbeiträge zum Thema Schafe, Ziegen und Gehegewild

Links zu den Inhalten:



Archiv - Fachbeiträge Schafe, Ziegen und Gehegewild aus vorhergehenden Jahren



Rückblick auf die 20. Märzveranstaltung für Schaf- und Ziegenhalter sowie Hoftierärzte am 07.03.2019 in Bernburg-Strenzfeld

Rückblick

Am 07.03.2019 jährte sich die traditionelle gemeinsame Fortbildung für Schaf- und Ziegenhalter sowie Hoftierärzte in Bernburg-Strenzfeld zum 20. Mal. Die Einladung wurde mit einer Rekordteilnahme beantwortet und im Tagungsraum der LLG wurde es eng und kuschelig. Organisatoren und Bewirtung waren aber gut vorbereitet und trafen auf ein diszipliniertes Publikum.

Frau Dr. Folke Pfeifer begrüßte gewerbliche wie nebenberufliche Tierhalter, praktizierende Tierärzte, Amtstierärzte und Gäste aus landwirtschaftlichen Verbänden und Ämtern und nutzte das Jubiläum für einen Rückblick. 1991, gleich nach der Wende, hatte sich in Sachsen-Anhalt eine „Arbeitsgruppe Fachtierärzte für Schafe“ gebildet, um auf die Veränderungen in Landwirtschaft und Tierarztpraxen zu reagieren, sich fachlich auszutauschen, Ansprechpartner für Tierhalter und Veterinärämter zu sein und nicht zuletzt Unterstützung für den seit 1977 in der Funktion des Schafgesundheitsdienstes tätigen Elmar Grzonka, vom Beruf her Landwirt, zu liefern. Die Beratungen fanden in schöner Regelmäßigkeit zweimal jährlich statt, gelegentlich kamen Gäste (Schäfermeister, Schafzuchtverband) hinzu. Hier entstand im Herbst 1997 die Idee, eine Diskussionsveranstaltung „aus der Praxis für die Praxis“ zu organisieren, die dann am 01.03.2000 erstmalig in Bernburg-Strenzfeld durchgeführt wurde. Nach fünf weiteren Veranstaltungen, stets am ersten Donnerstag im März, wechselte der Staffelstab: Elmar Grzonka ging in den verdienten Ruhestand und die Organisation übernahm ab 2006 der neu gegründete Tiergesundheitsdienst der Tierseuchenkasse.
Der Erfolg der Veranstaltung sprach sich herum, aus den 40 - 70 Zuhörern der ersten Jahre wurden 140, dann 160 und in diesem Jahr 178 Gäste, für die dieser Termin zur gern wahrgenommenen „Pflicht“ geworden ist. In den Bundesländern Thüringen, Sachsen, Bayern und Brandenburg folgte man dem Beispiel und etablierte gleichartige, ebenso erfolgreiche Veranstaltungen. Leider hat Elmar Grzonka diese weitreichende Wirkung seiner Idee nicht mehr miterleben können.

Nach diesem Exkurs begannen die Vorträge.
Frau Dr. Elisabeth van der Grinten, Pathologin am Landesamt für Verbraucherschutz in Stendal, stellte mit Blauzungenkrankheit, Pest der kleinen Wiederkäuer und Brucellose drei Tierseuchen vor, die seit dem letzten Jahr quasi vor oder gar in der „Haustür“ stehen und deren Einschleppung in hiesige Bestände nicht ganz unrealistisch erscheint. An diesen Beispielen wurde noch einmal der Nutzen, ja die Notwendigkeit von Quarantäne, allgemeiner Betriebshygiene und von diagnostischen Abklärungsuntersuchungen hervorgehoben.
Im nächsten Vortrag widmete sich der auf kleine Wiederkäuer spezialisierte Dr. Karl-Heinz Kaulfuß den Ektoparasitosen. Auch hier sind eine richtige Diagnose und die Kenntnis der Epidemiologie des Erregers die Basis für den Erfolg einer Bekämpfung. Künftig wird ein wichtiges Medikament nicht mehr zur Verfügung stehen!

Mit reichlich Diskussionsstoff versehen wurden die Gäste anschließend in die Pause entlassen, die zur „Auffüllung der Energiereserven“ und für viele Gespräche genutzt wurde.

Die beiden Vorträge nach der Pause standen unter dem Motto: „Jedes Lamm zählt“. Zunächst rief Dr. Katja Voigt von der Klinik für Wiederkäuer der LMU München allen die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Lammzeit in Erinnerung und ging insbesondere auf den Ernährungszustand, die richtige Fütterung und Spurenelementversorgung des Mutterschafes ein. Sie stellte Stoffwechsel-Erkrankungen hochtragender Mutterschafe und deren Therapie vor und ging dann konkret auf Vorfälle, Geburtshilfe und abweichende Geburtsverläufe ein. Besonders interessant für die überwiegend sachkundigen Zuhörer waren diese Schilderungen aufgrund der Erfahrungen, die die Referentin im Klinikbetrieb sammeln konnte.
Im Anschluss widmete sich Anna Weber, eine junge praktische Tierärztin, dem Thema der frühen Lämmerverluste. Sie nutzte dafür Kennzahlen, die Karsten Siersleben in Mitgliedsbetrieben des Lämmerkontroll- und Beratungsringes erhoben und für den Vortrag zur Verfügung gestellt hatte. Danach haben knapp die Hälfte der Lämmerverluste eine besondere Assoziation zum Geburtszeitraum, die Lämmer kommen also tot oder lebensschwach zur Welt, wofür es nichtinfektiöse und infektiöse Ursachen geben kann. Die Referentin ging vor allem auf infektiöse Aborte und deren grundsätzliches zoonotisches Potential (!) ein und spannte so auch den Bogen zum ersten Vortrag. Denn auch wenn als häufigster und weit verbreiteter Abort beim Schaf ansteckendes Verlammen durch Chlamydophila abortus angesehen werden kann, gilt es doch, im Einzelfall die Diagnose durch eine Einsendung von Nachgeburt (und Lamm) zu stellen! Dies gilt auch oder erst recht, wenn Antibiotika zur Unterbrechung des Abortgeschehens und ein Impfstoff zur anschließenden Herdenbehandlung eingesetzt werden sollen.
Dies war dann auch das Stichwort für Frau Dr. Folke Pfeifer, die die Tätigkeiten und Programme des Tiergesundheitsdienstes vorstellte und insbesondere die Beihilfen der Tierseuchenkasse für diagnostische Untersuchungen und für Immunprophylaxe gegen bestimmte Aborterreger beschrieb. Mit einer solchen Unterstützung könnte es ein realistisches Ziel für den einen oder anderen Betrieb sein, frühe Lämmerverluste besser zu begrenzen und damit die Lämmerverluste insgesamt nahezu zu halbieren.

Damit ging die 20. Märzveranstaltung für Schaf- und Ziegenhalter sowie Hoftierärzte zu Ende.

Für das Gelingen der Veranstaltung sorgten auch die Bewirtung der Tagungsteilnehmer mit einem Mittagsimbiss, Kaffee, Getränken und Kuchen durch den Gasthof „Zum Krug“ Bernburg. Für die Referenten gab es zudem ein kleines nahrhaftes Präsent, zwar diesmal nicht von Schaf oder Ziege, immerhin aber aus der Region. Dafür bedanken sich die Organisatoren sehr herzlich bei den Vertretern der Firmen Intervet Deutschland GmbH, Zoetis, Boehringer Ingelheim, ELANCO und Serumwerk Bernburg für die finanzielle Unterstützung und das Halten der Treue über so viele Jahre.

[zurück]