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Schweinetag Sachsen-Anhalt 2011
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Sachsen-Anhaltischer Schweinetag war trotz Wintereinbruchs ein Erfolg
von Dr. Karsten John, Tiergesundheitsdienst Sachsen-Anhalt
Am 30.11. und 1.12.10 trafen sich Landwirte, Tierärzte, Vertreter aus Behörden sowie aus Pharma- und Futtermittelindustrie in Winterfeld und Leißling zum diesjährigen Schweinetag, um aktuelle Themen rund um die Schweineproduktion und –medizin zu diskutieren. Trotz widriger Witterungsbedingungen fanden 150 Interessierte den Weg in die Altmark und ins Burgenland. Neben interessanten Fachvorträgen bot sich Gelegenheit zum Small Talk und zum Auffrischen alter und knüpfen neuer Kontakte. Die Veranstaltung wurde durch Dr. K. John vom Schweinegesundheitsdienst der Tierseuchenkasse moderiert.
Zunächst verwies Dr. Weber von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau in Iden auf aktuelle und bevorstehende gesetzliche Regelungen, die Schweinebetriebe künftig zu beachten haben. Im Focus standen Veränderungen in den Aufstallungsformen im Wartebereich, die mit verschiedenen Fütterungssystemen kombiniert werden müssen. Auch geeignete Lösungen zur Verbesserung des Lichtregimes und zur Unterstützung des Spieltriebes der Tiere wurden diskutiert. Es wurde angeregt, notwendige Investitionen ernsthaft und frühzeitig anzugehen, da strenge Kontrollen seitens der Behörden zu erwarten sind. Professor Matthes von der Landesanstalt in Dummerstorf berichtete über Herausforderungen, denen sich deutsche Landwirte unter veränderten globalen Gegebenheiten zu stellen haben. Dabei wurde deutlich, dass die Orientierung an den Top-Produzenten Dänemark und Holland einen harten Wettbewerb bedeutet. Die von Prof. Matthes offerierten Leistungsdaten aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt zeigten, dass besonders im Hinblick auf Ferkelzahlen, Masttagszunahmen und Futterverbrauch die erwähnten Bundesländer, wie auch Gesamtdeutschland noch einen erheblichen Nachholbedarf aufzuweisen haben. Die deutsche Schweinebranche sei dennoch auf einem guten Weg. Über Erfahrungen mit der Sanierung und Repopulation einer Anlage im Süden Sachsen-Anhalts berichtete der Geschäftsführer der Ostrauer Agrar GmbH Herr E. Stahr. In diesem Betrieb wurde eine Nukleusherde mit einem Hochgesundheitsstatus im Jahr 2008 aufgebaut und verzeichnete bis heute eine deutliche Steigerung in den wichtigsten Leistungsparametern, nicht zuletzt durch eine Verbesserung im Gesundheits- und Hygienemanagement. Er verwies aber auch auf die großen Anstrengungen, die dem Personal abverlangt werden, um diesen Status zu erhalten. Den Abschluss der Veranstaltung bildete der Vortrag des Kollegen Dr. Kühn vom Labor synlab.vet aus Leipzig, der als Fachtierarzt für Mikrobiologie einen wesentlichen tiermedizinischen Aspekt in die Diskussion brachte und Grundlagen einer erfolgreichen Diagnostik aufzeigte. Nachdem direkte und indirekte Nachweismethoden beschrieben wurden, verwies Dr. Kühn auf die Notwendigkeit einer ausreichenden Stichprobenentnahme und zeigte auf, wie stark die Aussagefähigkeit sinkt, wenn, wie häufig geschehen, nur wenige Tiere beprobt werden. Schließlich wurde ein Diagnostikprogramm der Firma Intervet vorgestellt, welches als regelmäßiges Monitoringtool für jeden Betrieb geeignet ist, den tiergesundheitlichen Status zu bestimmen und über längere Zeiträume zu verfolgen, um somit bei Auffälligkeiten schnell reagieren zu können.
Durch die Stiftung zur Förderung der Schweinezucht in Sachsen-Anhalt wurden zwei Arbeiten mit einem Innovationspreis prämiert. Frau K. Eber erhielt die Auszeichnung für die Darstellung der Ergebnisse ihrer Masterarbeit, Frau D. Schillkamp stellte ihre Bachelorarbeit vor. Beide Arbeiten wurden an der Fachhochschule Bernburg erstellt und beschäftigten sich mit dem Einfluss der Körperkondition von Sauen auf Parameter der Fruchtbarkeit. Wie jedes Jahr wurde auch 2010 der beste Lehrling in der Kategorie „Tierwirt“ ausgezeichnet. Die Urkunde, überreicht durch Dr. Münch vom Amt für Landwirtschaft in Dessau, ging an Frau N. Müller aus der Rustenbecker Schweinezucht GmbH im Altmarkkreis Salzwedel.
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| Dr. Weber, Iden | Prof. Matthes, Dummersdorf | E. Stahr, Ostrau |
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| Dr. Kühn, Leipzig | Dr. Münch, Dessau | K. Eber, Nordhausen |
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| D. Schillkamp, Nordhausen |
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| Veranstaltung in Winterfeld | Veranstaltung in Leißling |
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Gemeinsame Fortbildungsveranstaltung der für Tierseuchenbekämpfung zuständigen obersten Landesbehörden, der Tierärztekammern der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie des Tiergesundheitsdienstes Sachsen-Anhalt
von Dr. Karsten John, Tiergesundheitsdienst Sachsen-Anhalt
Am 20. Mai 2010 fand in den Räumen der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau in Bernburg-Strenzfeld eine gemeinsame Fortbildungsveranstaltung der obersten Landesbehörden der mitteldeutschen Länder, deren Tierärztekammern sowie des Tiergesundheitsdienstes Sachsen-Anhalts statt.
Ca. 100 Teilnehmer aus acht Bundesländern gaben der Veranstaltung einen würdigen Rahmen.
Im Vormittagsmodul ging es zunächst um die Auswertung der im November 2009 stattgefundenen gemeinsamen Tierseuchenübung der mitteldeutschen Länder, bei der ein MKS-Ausbruch inklusive der Kapazitätsplanung simuliert wurde. Die Referenten der einzelnen Länder kamen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass derartige Übungen in bestimmten Abständen dringend notwendig sind, da sie Schwachstellen bei der Abwicklung eines Krisenfalles aufzeigten, wobei die fachliche Beherrschung überwiegend gegeben war. Es zeigte sich aber, dass die Personalausstattung insbesondere auf Lan-desebene viel zu gering und Besserung nicht in Sicht ist. Man sollte im Ernstfall prüfen, inwieweit die Erfahrungen beamteter Tierärzte im Ruhestand im Krisenfall genutzt werden könnten. Auch die Kapazitäten zur Tötung sowie die dafür erforderliche Zeit waren zu knapp bemessen. Um die Tierverluste materiell zu schätzen, braucht es in Zukunft deutlich mehr Schätzer, die zunächst aber ausgebildet werden müssen. Für die Zukunft wurden mehr praktische Übungen im Tierbestand gefordert.
Im Focus des zweiten Teils der Veranstaltung standen die von Wildschweinen ausgehenden Gefahren für die Hausschweinepopulation. Dabei wurden die Themenschwerpunkte Aujeszkysche Krankheit, Europäische Schweinepest und Schweinebrucellose separat vorgestellt und diskutiert. Der vom Amtstierarzt Dr. Kasan dargestellte Aujeszky-Fall eines Jagdhundes im Landlreis Wittenberg im Dezember letzten Jahres zeigte deutlich, dass uns dieses Thema im Bereich der Wildschweine auch in Zukunft begleiten wird. So wurden für den erwähnten Landkreis Seroprävalenzen beim Schwarzwild von 35 % festgestellt, in Ostdeutschland sind es insgesamt 8,9 % mit ansteigender Tendenz. Dr. Freuling vom Friedrich-Löffler-Institut in Wusterhausen wies darauf hin, dass es sich dabei für Fleischfresser um ein hochpathogenes Virus handelt und eine Verfütterung von Aufbruchmaterial an Hunde unter allen Umständen verhindert werden muss. Klinische AK-Infektionen beim Schwarzwild sind eher selten und abhängig von Virulenz, Infektionsdosis und Infektionsweg. Offenbar sind auch „avirulente“ PrV-Varianten beim Wildschwein nachzuweisen. Hausschweine sind grundsätzlich infizierbar, der Status „frei“ ist aber zurzeit nicht gefährdet. Dennoch wäre ein übergreifendes Mo-nitoring, eventuell gekoppelt an die KSP-Surveillance, wünschenswert.
Frau Dr. Blicke vom zuständigen Ministerium in Rheinland Pfalz gab einen Überblick über die dortige KSP-Situation beim Schwarzwild. Im Jahr 2009 wurden 24 Fälle von Klassischer Schweinepest im Land festgestellt. Wichtig ist ein flächendeckendes Monitoring in Raum und Zeit, welches die drei Be-reiche Untersuchung, Impfung und Jagd umfasst. Der Untersuchung von Frischlingen unter 20 kg kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Bei der Köderimpfung mit Lebendimpfstoff müssen zweimal im Abstand von 28 Tagen jeweils 20 – 40 Köder je Köderplatz ausgelegt werden.
Brucelloseinfektionen bei Hausschweinen stellen besonders für Freilandbetriebe ein hohes Risiko dar. Zurzeit bestehen in Mecklenburg-Vorpommern zehn Schweinehaltungen im Outdoorbereich, so dass Frau Dr. Roost vom dortigen Landesamt für Landwirtschaft einen guten Überblick über die derzeitige Situation geben konnte. Im Jahr 2008 kam es dort zu sechs und im Jahr 2009 zu einer Seuchen-feststellung. Wichtig ist in dem Zusammenhang die symptomatische Früherkennung, wie das Auftreten von Aborten, azyklischen Umrauschern, Totgeburten und Hodenentzündungen. Frei-landhaltungen sollten generell quartalsweise beprobt werden. Die Zaunführung der Betriebe muss wildsicher, die Futterlagerung abgedeckt erfolgen. Die Seroprävalenz beim Schwarzwild beträgt ca. 23 %, wobei adulte Keiler besonders betroffen sind. Frau Dr. Roost wies darauf hin, dass eine Brucella-suis-Anzüchtung trotz negativer PCR möglich ist. Jungsauen können die Erreger verschleppen, ohne serologisch zu reagieren. Letztlich ist aber eine indirekte Einschleppung über Marder, Füchse oder Vögel nicht gänzlich zu verhindern, sollten Freilandhaltungen auch in Zukunft erlaubt sein.
Abschließend ging Dr. Nöckler vom Bundesinstitut für Risikobewertung Berlin auf die Trichinella-Situation beim Schwarzwild ein. Auch hier besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko für Schweine unter Freilandhaltung, da eine hohe Prävalenz bei Wildtieren besteht. Aufgrund der gesetzlich vorgeschrie-benen Untersuchungspflicht bei Wild- und Hausschweinen sind Infektionen beim Menschen selten und zumeist zurückzuführen auf den Verzehr von importiertem Fleisch, insbesondere aus Osteuropa. Dennoch werden bis zu zehn Fälle pro Jahr in Deutschland registriert. Sinnvoll wären Trendanalysen bei Indikatortieren im Sinne eines Wildmonitorings.
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| Die Veranstaltung zeichnete sich durch eine hohe Teilnehmerzahl aus. |
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